Voll digitalisiertes Garantiegeschäft

Wenn man in späterer Zeit an das Jahr 2020 zurückdenkt, werden zumindest zwei Dinge im Gedächtnis bleiben: zum einen natürlich ein Virus, das uns gezwungen hat, unser soziales Leben auf ein Minimum zu reduzieren und zum anderen der durch Social Distancing beschleunigte Trend zur Digitalisierung. Vieles, was zuvor papierhaft abgewickelt wurde, wanderte in die virtuelle Sphäre und ermöglichte dadurch entsprechende Effizienzgewinne.

Ein Beispiel dafür ist das Geschäft mit Garantien. Nach wie vor ist die Fehleinschätzung weit verbreitet, dass Bürgschaften immer papierhaft ausgestellt und mit einer Unterschrift versehen sein müssen. Tatsächlich können solche in Deutschland und Österreich immer auch digital ausgestellt und abgewickelt werden, es wurde halt kaum praktiziert.

Ludger Janßen ist Geschäftsführer bei Digital Vault Services

In dieses Vakuum ist die Digital Vault Services GmbH (DVS) gestoßen und hat ein Geschäftsmodell zur vollständigen Digitalisierung des gesamten Aval-Managements etabliert. Das Trade-Finance-Fin-Tech hat in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Bauunternehmen Lindner Group KG, dem kanadische IT-Provider GlobalTrade Corporation, 16 Unternehmen verschiedener Branchen mit intensivem Avalgeschäft, sowie Kreditversicherern und Banken das SaaS-Produkt „Guarantee Vault“ entwickelt.

Der Guarantee Vault ist das zentrale Register für die Erstellung und sichere Aufbewahrung digitaler Avale. Zudem ermöglicht es den jeweiligen Beteiligten Avisierung, Freigabe, Änderung und Rückgabe ihrer Garantien. Eine nahtlose, digitale Anbindung bestehender Bank- oder Versicherungsportale sowie von Multibank-Plattformen oder ERP-Systemen ist über APIs möglich. Über API oder Webbrowser kann auch der Begünstigte Zugriff auf das Zentralregister erhalten.

TreasuryLog sprach mit Ludger Janßen, dem Geschäftsführer der DVS

TreasuryLog: FinTechs sind ja in aller Munde. Mit Ihrem haben Sie jetzt das Aval-Geschäft im Visier.

Janßen: Der Fokus unserer Aktivitäten liegt nicht auf „Tech“. Es geht nicht um die Umsetzung einer technischen Idee, sondern um die Lösung eines konkreten Problems des täglichen Geschäftslebens: Wie wickle ich Garantien so effizient und transparent wie möglich ab, während alle Transaktionsbeteiligten gleichzeitig eingebunden sind?

TreasuryLog: Stoßen Sie dabei nicht auf Vorbehalte? Sind Unternehmen wirklich bereit, die papierhafte Abwicklung aufzugeben?

Janßen: Wichtig war die juristisch eindeutige Aufarbeitung. Der Zwang zum papierhaften Ausstellen und Unterschreiben ist in vielen Ländern bereits vor Jahren für den Wirtschaftsverkehr zwischen Unternehmen eingeschränkt oder abgeschafft worden. So können in Deutschland und Österreich Bürgschaften und Garantien für Unternehmen immer auch digital ausgestellt und abgewickelt werden. Bevor wir unsere Dienstleistungen in einem Land anbieten, führen wir immer eine gründliche juristische Analyse durch, wobei wir durch internationale Großkanzleien unterstützt werden.

TreasuryLog: Wie sieht der typische Kunde von Digital Vault Services aus?

Janßen: Ganz grundsätzlich steht der Guarantee Vault allen interessierten Unternehmen jeglicher Größe und Branchen offen, richtet sich aber naturgemäß an Firmen mit nennenswertem Avalgeschäft. Als Avalbegünstigter bietet die Nutzung des Vaults schon ab einigen wenigen Avalen im Jahr erhebliche Vorteile. Wichtig ist mir auch zu betonen, dass es sich dabei neben Bankavalen und Kautionsversicherungen der Kreditversicherer insbesondere auch um Konzernavale handeln kann.

TreasuryLog: Sie sprachen von Vorteilen. Welche sind das im Wesentlichen?

Janßen: Zunächst sind ganz erhebliche Effizienzgewinne und Kosteneinspareffekte zu nennen. Niemand beschäftigt sich gerne mit Papierkrieg. Wir gehen gegenüber dem Papierprozess von einem Gesamteffekt von durchschnittlich 35 Prozent für jeden der Beteiligten aus. Zusätzlich werden durch die nahtlose Datenübermittlung Fehlerquellen minimiert, die Prozesstransparenz erhöht und die Abwicklung insgesamt signifikant beschleunigt.

TreasuryLog: Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um bei DVS anzudocken?

Janßen: Es gibt grundsätzlich für keinen der Avalbeteiligten technische Mindeststandards. Zugang zum Guarantee Vault und die Nutzung verschiedener digitaler Vorteile sind für jeden bereits mittels der gängigen Webbrowser möglich. Zur Nutzung aller Vorteile des Vaults sollte sich ein Avalauftraggeber jedoch digital an den Vault anbinden. Dazu kann er sich direkt an uns wenden oder an seine Kreditversicherer oder Banken – hier sind wir mit vielen hinsichtlich Anbindung an den Guarantee Vault im Gespräch bzw. bereits in Umsetzung und live. Ein Avalbegünstigter braucht zunächst grundsätzlich nichts unternehmen. Er erhält vom Guarantee Vault aufgrund der vom Auftraggeber bereitgestellten Informationen automatisch den digitalen Zugang zu seinem Aval.

DVS bietet verschiedene Ein- und Ausgangs-kanäle auf und von  ihrer  Aval-Plattform.

TreasuryLog: Können Sie bereits Angaben zu den Kosten machen, die durch die Auslagerung auf DVS entstehen?

Janßen: Die Zusammenarbeit ist für die bei kleinen und mittelgroßen Begünstigten zu erwartenden Avalmengen grundsätzlich kostenlos. Ehrlicherweise profitiert er von der digitalen Umstellung sofort und ganz erheblich. Avalauftraggeber haben die Möglichkeit, zwischen einem Starterpaket und drei unterschiedlichen, mengenabhängig gestaffelten, sogenannten Bundles, zu wählen. Beim Starterpaket erfolgt der Zugang zunächst per Webbrowser, eine API kann problemlos über ein Bundle zugebucht werden. Beim Starterpaket fällt je Aval eine einmalige Transaktionsgebühr von 14 Euro an, die sämtliche Services beinhaltet, inklusive künftiger Änderungen, Verlängerungen oder Rückgabe des Avals. Alle Bundles beinhalten in ihrem Paketpreis neben einem professionellen Onboarding auch die kostenlose API-Anbindung an den Vault, inklusive kostenloser Abwicklung einer fest vereinbarten Avalmenge. Lediglich die Kosten der internen API-Erstellung auf Seiten des Auftraggebers kommen noch hinzu.

TreasuryLog: Welche Garantieinstrumente und welche Märkte bedienen Sie – weltweit oder im deutschsprachigen Raum?

Janßen: Wir decken alle direkten Bürgschaften und Garantien ab, das heißt Bankavale, Kautionsversicherungen und Konzernbürgschaften. Die deutlich komplexeren und juristisch anspruchsvolleren indirekten Avale sowie Standby Letters of Credit werden zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Nach erfolgreicher Einführung im deutschsprachigen Raum wird die Plattform weltweit auf andere dafür geeignete Regionen ausgeweitet werden. Die erste Expansion nach Frankreich und in die Schweiz ist bereits beschlossen und für das vierte Quartal 2021 in Vorbereitung.

TreasuryLog: Welche Sicherheits- und Verfügbarkeitsstandards darf man von Ihrer Plattform erwarten?

Janßen: Der Guarantee Vault entspricht höchsten technischen Sicherheitsstandards. Dabei garantieren wir die auch von Banken und Kreditversicherungen bekannte permanente Verfügbarkeit von mindestens 99,5 Prozent. Ohne Gewährleistung dieses Levels würden wir von den mit uns zusammenarbeitenden nationalen und internationalen Banken und Kreditversicherungen auch gar nicht als Partner akzeptiert. Darüber hinaus läuft zurzeit auch unsere Zertifizierung nach ISO 27001, was wiederum die Einhaltung diverser Qualitäts- und Prozessstandards sicherstellt.

Durch die Digitalisierung von Avalen sollen Effizienz-gewinne von rund 40 Pro-zent realisierbar sein.

This article was released in Treasury Log 01/2021. You can find the actual version here: www.slg.co.at

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